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Der Pelikan

Fortsetzung der Serie über christliche Symbole von Dr. Norbert Jung

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; wasch in deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld“, heißt es in der deutschen Übersetzung des bekannten eucharistischen Hymnus „Adoro te devote“ von Thomas von Aquin („Gottheit tief verborgen“, GL Nr. 546, 6), während Dante Alighieri in seiner „Göttlichen Komödie“ in Anspielung auf das letzte Abendmahl (Joh 13, 25) den Apostel Johannes im Paradies mit den Worten beschreibt: „Das ist derjenige, der an der Brust unseres Pelikans ruht.“ Wie kam es zu dieser eigenartigen Gleichsetzung Jesu mit einem Vogel?
Im hebräischen Text der Heiligen Schrift sowie im Neuen Testament wird der Pelikan eigentlich nicht erwähnt, allerdings in der griechischen (Septuaginta) und lateinischen Übersetzung (Vulgata), auf die sich aber die Kirchenväter und damit die Theologie stützten. Inhaltlich geht es bei diesen Stellen um die Aufzählung „unreiner“ Vögel, die von den Israeliten nicht gegessen werden durften (Lev 11, 18; Dtn 14, 17 f.) und um das Bild eines einsam in Ruinen hausenden Vogels (Ps 102, 7; Zef 2, 14; Jes 34, 11). In der Einheitsübersetzung werden diese Textstellen heute sachlich richtig mit „Eule“ übersetzt, zum Beispiel in Ps 102,7: „Ich bin wie eine Dohle in der Wüste, wie eine Eule in öden Ruinen“.

Die geistesgeschichtliche Entwicklung des Pelikans vom unreinen Vogel der Bibel bis hin zum Symbol für Christus führt uns auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Theologiegeschichte. Der Pelikan, der als Zugvogel im Heiligen Land vorkommt, versorgt seinen Nachwuchs mit Nahrung, indem er von ihm gefangene Fische aus einer an seiner Kehle befindlichen Art Tasche herauswürgt. Dabei stemmt er seinen Schnabel gegen seine Brust. Aus diesem Verhalten wurde im „Physiologus“, einer weit verbreiteten Sammlung von Naturallegoresen, die Legende abgeleitet, der Pelikan durchstoße sich mit dem Schnabel die Brust um seine Jungen mit seinem eigenen Blut zu ernähren. In Verbindung mit den beiden Bibelstellen Jes 1, 2 („Ich habe Söhne großgezogen und emporgebracht“) sowie Joh 19, 34 („Einer der Soldaten stieß in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus“) wurde die Legende vom Pelikan schließlich auf Christus gedeutet: Das Opfer Christi wurde durch die vermeintliche Selbstaufopferung des Vogels interpretiert.
In der christlichen Kunst wurde der Pelikan schon früh zum Symbol von Tod und Auferstehung, während er im Mittelalter verstärkt als eucharistisches Sinnbild verstanden wurde, weshalb er häufig Vasa 
sacra sowie Altäre und Tabernakel zierte. Schon in der Spätgotik diente er als Bekrönung von Sakramentshäusern, so z. B. im Ulmer Münster oder in St. Lamberti in Düsseldorf. In der Barockzeit war das Symbol des Pelikans als Tabernakelaufsatz weit verbreitet, unter anderem befinden sich bis heute Exemplare in der Stadtpfarrkirche von Biberach a.d. Riß, in der Siftskirche Berchtesgaden oder auch in der Wieskirche. Ein besonders schönes Beispiel aus unserer Gegend findet sich auf dem Tabernakel des Hochaltars der Pfarrkirche Mariae Verkündigung in Ebensfeld.

Schon die Kirchenväter Eusebius von Caesarea, Hieronymus und Augustinus hatten sich mit unserem Symboltier beschäftigt. Letzterer zitierte dabei das Jesuswort „Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Jungen unter ihre Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt“ (Mt 23, 37), überbewertete die Legende von der Selbstaufopferung des Vogels aber nicht, da sich seiner Meinung nach jede Mutter für ihre Kinder aufopfern würde. Vielmehr deutete er den Pelikan als „Vogel in der Einsamkeit“ in origineller und neuer Weise auf Christus, weil dieser als einziger Mensch von einer Jungfrau geboren wurde. Ebenso setzten sich die Heiligen Gregor d. Gr., Isidor von Sevilla, Ildephons von Toledo und Rhabanus Maurus in ihren Schriften mit dem Pelikan auseinander; für letzteren bezeichnet die Einsamkeit des Pelikans zeichenhaft die christlichen Einsiedler. Eine Version der Pelikanlegende die besagt, dass er seine Jungen selbst tötet und sie nach drei Tagen wieder durch sein Blut zu neuem Leben erweckt, wurde auf Gott Vater gedeutet, der seinen Sohn in den Tod gegeben 

hat und ihn zu neuem Leben auferweckte; auf ähnliche Weise konnte die Geschichte ebenso allegorisch auf den Tod des Sünders und die Teilhabe an der Auferstehung durch die Erlösung in Christus gedeutet werden. Von daher wurde der Pelikan bereits im Mittelalter als Kanzelschmuck verwendet um den Prediger zu symbolisieren, der mit seinen inspirierten Worten die Sünder „tötet“ und sie als Erlöste zu neuem Leben erweckt; aus dem gleichen Grund findet sich unser Vogel gelegentlich auch an Taufbecken. 
Als Symbol der Hingabebereitschaft für Kirche und Staat wurde der Pelikan zudem in weltlichen persönlichen Emblemen und Wahlsprüchen verwendet, so z. B. von Papst Clemens IX. oder König Alphons IX. von Spanien.
Vincenzo Caraffa, einer der frühen Jesuitengenerale, verfasste eine Meditation, in der er die Bedeutung Christi für uns mit Worten umschreibt, die auch heute noch Gültigkeit für sich beanspruchen können: „Pelikan der Liebe, er verwundet sich selbst um uns zu heilen, er nimmt den Tod auf sich um uns das Leben zu schenken.“

Autor: Dr. Norbert Jung

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Letzte Änderung: 30.01.2017 |

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